Presseartikel aus dem Jahr 2006:

Rheinzeitung Freitag, 17.02.2006

Droht Untergang des Freibades ?

Auch wenn das Land den finanziellen Rettungsring zur Sanierung wirft, bleibt für die kleine Gemeinde Alf ein hoher Eigenanteil.

Muß das Freibad in Alf geschlossen werden ? Fest steht, dass es für knapp 900.000 Euro saniert werden muss. 40 Prozent kann das Land zuschießen, 60 Prozent müssen von der Gemeinde kommen. Doch die sitzt, finanziell gesehen, auf dem Trockenen.

Alf.  Eine angebliche Aussage von Innenminister Karl Peter Bruch, wonach das Freibad in Alf wohl "zugemacht" werden müsse, schreckte die Alfer auf - und nicht nur die. Dass das Freibad seit Jahren ums Überleben kämpft, ist nicht neu - genauso wenig wie die Tatsache, dass es saniert werden muss.

 

1971 wurde Bad gebaut

Dieses Problem hat nicht nur Alf. Bei jedem dritten von landesweit 275 Schwimmbädern ist der Lack ab (die RZ berichtete). Mit einem Investitionsprogramm von 95 Millionen Euro will das Land den Betreibern wieder Oberwasser verschaffen. Zwar ist Alf in der ersten Reihe nicht dabei, "doch eine Chance ist da", sagte Pressesprecher Eric Schäfer vom Innenministerium gegenüber unserer Zeitung, "die Liste ist noch nicht abgeschlossen."

 

Ungewiss ist die Zukunft des Freibades in Alf. Wie bei vielen Bädern im Land gibt es auch hier einen enormen Sanierungsbedarf. Von den knapp 900.000 Euro müsste die kleine Gemeinde Alf einen großen Teil selbst bezahlen. Foto: Archiv/Hans Uhrmacher

Eine Chance sieht auch Karl-Heinz Simon, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zell. Die Fördergelder für das 1971 gebaute Bad sind seit langem beantragt, in Mainz wurde das Jahr 2007 in Aussicht gestellt. "Auf die Zusage von damals vertraue ich", sagt Simon. Das Land hält sich bei solchen Investitionsprgrammen an die Prioritätenliste des Kreises. Auf der steht das Moselbad Cochem vor dem Freibad Alf.

Geld fehlt vorne und hinten

Doch selbst, wenn das Land in Alf den finanziellen Rettungsring wirft, fragt sich, wie die kleine Gemeinde Alf den Eigenanteil und die laufenden Kosten decken will. Denn das ist das eigentliche Problem, Alf hat seit zehn Jahren einen unausgeglichenen Haushalt. Die laufenden Kosten verschlingen jährlich zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Die Betriebskosten teilt sich die Verbandsgemeinde Zell bereits mit den Moselgemeinde der VG, ausgenommen Briedel. Was also tun ?

Mechthilde Esser, Bürgermeisterin von Alf und Vorsitzende des Fördervereins, der seit drei Jahren Träger des Freibades ist, liebäugelt mit einem Naturbad. "Das wäre eine Möglichkeit, die Kosten zu senken", sagt sie. Ein solches Bad braucht weder teure Filteranlagen, noch wird es aufwendig beheizt.

Die Landtagsabgeordnete Heike Raab (SPD) zieht eine ganz andere Möglichkeit in Betracht: eine Kooperation aller Bäder im Kreis Cochem-Zell, angefangen von einer Einkaufsgemeinschaft bis zu einem Personalpool. "Es müsste eine Schwimmbädergesellschaft Cochem-Zell geben, um die Kosten für alle niedrig zu halten." sagt sie. "Der Tourismus ist unser größtes Wertschöpfungspotenzial, deshalb sind alle Bäder wichtig."

Gespräch mit Minister

In einem Gespräch mit Minister Bruch hat sie vereinbart, nachdem das Bad in Cochem ausfinanziert ist, das Projekt Alf in einer "gesonderten Planungs- und Finanzierungsberatung" zu besprechen. Ein Brief an den Minister ist unterdessen auch von der CDU Cochem-Zell unterwegs. Direktkandidatin Anke Beilstein fordert Bruch darin auf, "im Hinblick auf die besondere Situation des Freibades Alf und der Entwicklung einer einzigartigen Bürgerinitiative das Freibad ebenfalls in die Förderlisten aufzunehmen." Doch das Engagement des Landes ist die eine Sache, der Eigenanteil der Gemeinde die andere - und das größte Problem. Nur wenn dieses Geld gesichert ist, wird es eine Förderung geben.

In diesem Jahr öffnet das Alfer Freibad auf jeden Fall wieder. Ob es das letzte Mal sein wird ?

Birgit Pielen

Fenster schließen