September 2003

Bürger retten das Alfer Freibad vor Ertrinken

Förderverein sprang ein, als Moselgemeinde finanziell am Ende war und mit Schließung der Anlage drohte – Ehrenamtliche wollen das Bad von 2004 an in Eigenregie führen

„Nicht mit uns!“ Das sagten sich die Bürger aus Alf und den umliegenden Moselorten, als im vergangen Jahr die Schließung des Freibades Arrastal drohte. Weil die Gemeinde Alf pleite ist und sich die defizitäre Freizeiteinrichtung nicht mehr leisten kann, wurden die Bürger als „Bad-Retter“ aktiv. Sie gründeten einen Förderverein, der die Anlage im Januar 2004 sogar in Eigenregie übernehmen will.

Alf: „Wir sind doch mit dem Bad groß geworden. Wo sollen den unsere Kinder spielen?“ Viele Bürgerinnen und Bürger überlief ein Schauder, als die Gemeinde Alf im Frühjahr 2002 die Freibadöffnung für den folgenden Sommer in Frage stelle. Der Moselort nagt wie zahlreiche anderen Kommunen landauf, landab am Hungertuch  und  träumt  schon seit lan-

 

Eine fleißige Truppe: Diese und weitere 170 Mitglieder des Alfer Fördervereins warfen dem defizitären Freibad den Rettungsring zu und leisteten hier in den vergangenen beiden Sommern Tausende von unentgeltlichen Arbeitsstunden. Foto: Jens Weber

gem vergeblich von einem ausgeglichenen Verwaltungshaushalt. Dicker Negativposten: das Freibad mit einem durchschnittlichen jährlichen Defizit von 40 000 Euro. Außerdem standen Sanierungen an. Ortsbürgermeisterin Mechthilde Esser: “Wir hatten aber noch nicht einmal mehr Geld, um eine neue Bank zu kaufen.“  „Wir machen das Bad im Sommer nicht mehr auf“, war denn auch der Tenor in einer legendären Ratssitzung im April 2002. Legendär deshalb, weil sie zu einer Protestkundgebung der Bürger wurde. Nicht nur aus Alf, auch aus den Nachbargemeinden kamen Eltern mit ihren Kindern, sogar ganze Schulklassen, um das Ergebnis einer Unterschriftenaktion „pro Freibad“ vorzutragen.  Doch statt nur zu jammern und von der finanzschwachen Gemeinde Leistungen einzufordern, griffen einige der „Demonstranten“ zur Eigeninitiative. Sie machten den Räten einen zukunftsweisenden Vorschlag: „Wir sorgen dafür, dass das Bad rentabler wird.“ Der Rat ließ sich durch diese Ankündigung umstimmen, bemühte sich anschließend mit Erfolg, die Nachbargemeinden finanziell mit ins Boot zu nehmen und wehrte so in Teamarbeit mit dem neu gegründeten „Förderverein Freibad Arrastal“ die Schließung der Freizeitanlage ab. Schon im Sommer 2002 rückten die ersten ehrenamtlichen „Putzkolonnen“ im Bad an. Hecken schneiden, Rasen mähen, Becken säubern – für den damals noch festangestellten Schwimmmeister eine Riesenerleichterung. Durch den Erfolg ihrer Arbeit motiviert, reifte bei den Fördervereins-Mitgliedern nach Saisonschluss die Idee. Warum nicht das Freibad ganz in Eigenregie übernehmen? Vorsitzende Marion Stone erinnert sich.“ Wir wälzten Bilanzen, brüteten über Kalkulationen. Zum Schlüsselerlebnis aber wurde ein Besuch beim Förderverein in Gemünd/Eifel, der das dortige Bad schon seit Jahren betreibt.“ So ermutigt, entschied der inzwischen 180-köpfige Bad-Retter-Verein, das Projekt zielstrebig anzugehen und mit den Kommunen in die Vertragsverhandlungen einzutreten. Das Dokument, so hofft Marion Stone, wird im Januar 2004 von allen Beteiligten unterzeichnet. Der Sommer 2003 wurde zum vielversprechenden Probelauf. Alf stellte erstmals keinen eigenen Bademeister mehr ein. Die Arbeit teilten sich ein Schwimmmeister aus Zell – eine „Leihgabe“ des dortigen Erlebnisbades – und zur Badeaufsicht berechtigte DLRG-Rettungsschwimmer, die der Förderverein eigens ausbilden ließ. Die Ehrenamtlichen erledigten ansonsten alles rund ums Bad. Krankenschwester, Hausfrauen, Polizisten griffen zum Spachtel, wenn´s was auszubessern galt, verkauften Karten, entsorgten Müll, schrubbten Toiletten, leisteten insgesamt Tausende von unentgeltlichen Arbeitsstunden. Das Resultat ist bemerkenswert. Nicht nur dank des Superwetters können sich die Bilanzen des Freibades erstmals in dessen 22-jähriger Geschichte sehen lassen. Ortsbürgermeisterin Esser atmet erleichtert auf: „Mein größtes Sorgenkind ist jetzt offenbar in guten Händen“. Damit für den neuen Trägerverein das finanzielle Risiko nicht zu groß wird, greifen ihm die Kommunen stützend unter die Arme. Neben Alf wollen sich wie schon in diesem Jahr auch zukünftig die Nachbargemeinden Neef, St. Aldegund, Bullay und Pünderich sowie die Stadt und Verbandsgemeinde Zell mit einem jährlichen Festbetrag an den Kosten fürs Freibad beteiligen. In Briedel steht ein entsprechender Ratsbeschluss bislang noch aus. Marlies Wehner

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