Presseartikel aus dem Jahr 2005:

     Leserbrief in der Rheinzeitung von Mittwoch, den 21.12.2005

 

Leserbrief - Rheinzeitung vom 21.12.05

„Gesparte Qualität“

Wir leben seit vier Jahren hier in Melbourne, Australien. Jeder kleine Stadtteil hat ein Schwimmbad,  Eintritt 2,50 Euro. Was ich hier in Australien vom fernen Alf, seinem Schwimmbad und von Deutschland erfahren kann, ist die alte weltbekannte aufopfernde bucklige Mühe, die sich deutsche Menschen selbst auferlegen oder auferlegt bekommen, (...) (etwas zu leisten, zu repräsentieren und zu ändern. Unter großem internationalen Druck, bezahlt sich Deutschland die friedvolle Position in dieser Welt selber, Nachkriegsschäden in von anderen Staaten angegriffenen und zerstörten Ländern zu beheben. Rekonziliation hier und da, Gutes tun und gut dastehen, auch im weißen Kleide des Papstamtes. Systematischer Druck aufgetragen und weitergegeben. So geben  die deutschen Menschen viel Eigenes her, und manch andere Nationen um nicht erblassen zu müssen vor soviel Großmut, lächeln sich gegenseitig zu.) Der Deutsche Bürger selber setzt sich selbst unter großen Druck zuviel Geld auszugeben, oft nur um gut dazustehen. Keiner geht in lässiger Kleidung, keiner fährt ohne glänzendes Auto und spaziert ohne teure Schuhe. Geld ist so nach Eigenbedarf und (Regierungs) Steuern (bedarf) eine Seltenheit im Portemonnaie. Was bleibt da übrig, als diesem System die Struktur des Ehrenamtes hinzuzufügen? (Das sind Leute, die kein Geld haben und wenn, es weggeben und auch noch ohne Lohn arbeiten. Früher hat man das Ameisen genannt.) So ist es wieder mal Zeit für Aufopfermänner und Trümmerfrauen. Melken für Andere, das "entlohnt"! (Im eigenen Land und in der weiten Welt.) Wahrheit ist aber, das während viele Menschen die Deutschen bestaunen wegen ihrem Sinngebaren, ihrer Mühe und Aufopferung, die gleichen sie auch gefällig belächeln.

Gelächelt wird über den schuld- und selbstbestrafenden Druck dem man sich in Deutschland aussetzt, um sich regelrecht Vergnügen zu entziehen, und es anderen zu geben, die es so abgezweigt vielleicht gar nicht wollen. Sich die eigenen Schwimmbäder schließen ist so ein Selbstentzug. Kindern und Familien die Tür vor der Nase zu schließen, das bringen nur Leute fertig, die Steine geben, wenn sie Brot versprachen, Leute, die nach außen zur Welt als hart sparende Geber sich einen Gönnernamen erringen wollen. (....) (Doch hier wurde schon öfter ein Sterben erfunden, das sich selber als Leben gepriesen hat, wahrlich ein Herzensdienst allen, die sich etwas "ersparen" wollen.) Gesparte Qualität nennt sich diese Ernte. (Doch rundherum wird vieles zur Ungemach. Reichtümer erworben und doch ärmer, ja wollten sie so werden, wie sie es sich gemacht haben? Die große Erde steht den großen Seelen frei. Das kleine Schwimmbad in Alf steht den Armen Seelen leer. „Well, the world may say, it is time to open the pool for the own people.”

Na so was, spricht da die Welt, macht den eigenen Leuten das Schwimmbad auf.

Roger Salker, Viktoria

(Australien)

 

Anmerkung Webmaster: Der schwarze Textteil wurde aus der Rheinzeitung 1:1 übernommen, der rote Textteil wurde von der Rheinzeitung zensiert oder gekürzt. Der Förderverein veröffentlicht nur komplette Leserbriefe (liegt im Original vor), sofern niemand angegriffen wird bzw. Leserbriefe rechtsverletzend sind.

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